Bei EVA Air ist kein tödlicher Absturz im Linienbetrieb bekannt, und genau deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Historie. Die Airline hatte einzelne ernste Zwischenfälle, aber keine Crash-Geschichte mit Passagiertoten. Ich ordne im Folgenden ein, was tatsächlich passiert ist, wie die Sicherheitsbilanz heute aussieht und was Reisende daraus praktisch mitnehmen können.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Keine klassische Absturzserie: Für EVA Air ist kein tödlicher Absturz im Linienbetrieb dokumentiert.
- Wichtige Vorfälle gab es dennoch: Vor allem 2016, 2017, 2023 und 2024 sorgten ernsthafte Ereignisse für Aufmerksamkeit.
- Einordnung ist entscheidend: Ein Beinahe-Zusammenstoß oder ein Bodenereignis ist nicht dasselbe wie ein Absturz.
- Die Sicherheitsbilanz bleibt stark: 2026 wird EVA Air weiterhin unter den sichersten Vollservice-Airlines geführt.
- Für Reisende zählt Praxis: Schlagzeilen prüfen, Umstiege mit Puffer planen und bei Turbulenzen angeschnallt bleiben.
Was hinter der Frage nach einem Absturz bei EVA Air steckt
Die eigentliche Frage ist meistens nicht, ob es irgendeine Störung gab, sondern ob EVA Air eine problematische Sicherheitsgeschichte hat. Nach allem, was öffentlich belegt ist, lautet die Antwort: nein, nicht im Sinn eines tödlichen Absturzes oder eines Totalverlusts mit Passagiertoten. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Schlagzeile und einer belastbaren Bilanz.
Ich halte diese Unterscheidung für wichtig, weil in der Luftfahrt drei Dinge oft vermischt werden: Unfall, Zwischenfall und Beinahe-Unfall. Wer nur auf das Wort "Absturz" schaut, übersieht schnell, dass viele Ereignisse zwar ernst sind, aber ganz anders bewertet werden müssen. Aus dieser Trennung ergibt sich auch, warum man EVA Air nicht mit Airlines vergleichen sollte, die tatsächlich schwere Unfallhistorien haben.
Genau an dieser Stelle lohnt sich der Blick auf die einzelnen Vorfälle, denn ihre Art sagt mehr aus als die reine Dramatik der Meldung.

Die wenigen Zwischenfälle, die man kennen sollte
Wenn man die Historie sauber betrachtet, fallen vor allem vier Ereignisse auf. Sie sind unterschiedlich schwer, aber alle wichtig, wenn man verstehen will, warum die Airline in Suchergebnissen trotzdem immer wieder mit dem Thema Sicherheit auftaucht.
| Datum | Was passierte | Einordnung |
|---|---|---|
| 16. Dezember 2016 | Flug BR015 aus Los Angeles geriet nach einem Fehlhinweis der Flugsicherung auf einen falschen Kurs und näherte sich mit weniger als 600 Fuß Abstand einem Bergmassiv. | Beinahe-Zusammenstoß in der Luft, kein Absturz, keine Verletzten. |
| 2. Dezember 2017 | Ein Boeing 777-300ER auf dem Weg in Toronto streifte beim Rollen einen Mast; die Maschine wurde deutlich beschädigt und der Flug gestrichen. | Bodenereignis mit Sachschaden, aber ohne Verletzte. |
| 10. Juni 2023 | Am Flughafen Haneda wurde EVA Air Flug BR189 vor dem Abflug von einer Thai-Airways-Maschine am Flügel getroffen. | Ground collision mit geringem Schaden, keine Verletzten. |
| August 2024 | Ein Flug von Jakarta nach Taipei geriet in starke Turbulenzen; sechs Crewmitglieder wurden leicht verletzt, der Flug konnte sicher fortgesetzt werden. | Turbulenzereignis, ernst, aber kein Absturz und kein Passagierunfall. |
Der Punkt ist nicht, diese Ereignisse kleinzureden. Im Gegenteil: Jedes davon zeigt, wie schnell aus einem normalen Flug ein sicherheitsrelevanter Vorfall werden kann. Aber sie zeigen eben auch, dass nicht jeder dramatische Vorfall ein Absturz ist. Genau diese Differenz entscheidet darüber, wie man die Airline historisch einordnet.
Besonders der Fall Haneda wird oft ungenau erzählt, weil zwei Flugzeuge am Boden kollidierten und der Flughafenbetrieb vorübergehend gestört war. Das ist relevant, aber es ist keine Katastrophenhistorie im klassischen Sinn. Ausgerechnet dieser Unterschied erklärt, warum EVA Air in der Gesamtbewertung trotzdem stabil bleibt.
Warum EVA Air trotzdem gut bewertet wird
Dass eine Airline einzelne Zwischenfälle hat und trotzdem als sicher gilt, ist in der Luftfahrt normal. Sicherheitsbewertungen schauen nämlich nicht nur auf Schlagzeilen, sondern auf Ausbildung, Wartung, Standardprozeduren, Meldekultur und die Frage, ob aus Vorfällen gelernt wird. Nach den öffentlich zugänglichen Sicherheitsdaten von Aviation Safety Network ist für EVA Air keine Geschichte mit Passagiertoten oder Verlusten eines Verkehrsflugzeugs bekannt, und AirlineRatings führt EVA Air 2026 erneut unter den weltweit sicheren Vollservice-Airlines.
Ich lese das nicht als Freifahrtschein, sondern als Hinweis auf saubere Prozesse. In der Praxis zählen vor allem drei Punkte:
- Konsequente Standardverfahren: Wenn Cockpit- und Bodencrew nach klaren SOPs arbeiten, sinkt das Fehlerrisiko deutlich.
- Training für Ausnahmefälle: Beinahe-Zusammenstöße, Rollunfälle und Turbulenzen sind genau die Situationen, die regelmäßig geübt werden.
- Wartung und Flottenmanagement: Eine Airline mit moderner Flotte und strikter Instandhaltung kann Vorfälle schneller abfedern und präventiv vermeiden.
Wichtig ist aber auch die ehrliche Gegenperspektive: Eine gute Bewertung bedeutet nicht, dass es nie wieder Zwischenfälle geben kann. Luftfahrt ist ein Hochrisikobereich, der nur dann gut funktioniert, wenn man Risiken früh erkennt und nicht erst nach einem Schaden reagiert. Genau deshalb sollte man die einzelnen Vorfälle kennen, statt nur auf Rankings zu schauen.
Wie ich die Begriffe in der Luftfahrt einordnen würde
Ich trenne diese Begriffe bewusst, weil sie in Medienberichten oft durcheinandergeraten. Wer sie sauber versteht, kann Meldungen über EVA Air oder jede andere Airline viel besser einordnen.
Absturz
Ein Absturz ist im Alltagsverständnis meist ein schwerer Unfall mit erheblichen Schäden und oft auch Todesopfern. Wenn ein Flugzeug zwar beschädigt wird, aber sicher landet und niemand verletzt wird, ist das in der Regel kein Absturz im engeren Sinn.
Zwischenfall
Ein Zwischenfall kann von einer defekten Komponente bis zu einer gefährlichen Annäherung an ein anderes Flugzeug reichen. Er ist sicherheitsrelevant, aber er muss nicht automatisch dramatische Folgen haben.
Beinahe-Zusammenstoß
Das ist eines der ernstesten Ereignisse ohne Kollision. Der LAX-Vorfall von 2016 zeigt das gut: Das Risiko war hoch, die tatsächlichen Folgen blieben aber aus, weil Ausweichmanöver und Kontrolle rechtzeitig griffen.
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Totalverlust
Dieser Begriff meint, dass ein Flugzeug so stark beschädigt ist, dass es wirtschaftlich oder technisch nicht mehr repariert werden kann. Genau so etwas ist bei EVA Air nach öffentlich zugänglichen Informationen eben nicht der prägende Teil der Historie.
Für die Bewertung einer Airline ist diese sprachliche Genauigkeit nicht akademisch, sondern praktisch. Wer sie beherrscht, fällt seltener auf dramatische, aber unscharfe Formulierungen herein. Und daraus folgt die eigentliche Frage für Reisende: Was sollte man konkret tun, wenn man eine solche Meldung liest?
Was Reisende praktisch daraus mitnehmen
Aus Sicht der Reiseplanung ist die richtige Reaktion auf solche Nachrichten erstaunlich nüchtern. Ich würde immer zuerst prüfen, was für ein Ereignis es überhaupt war: ein technischer Defekt, ein Rollvorfall, eine Turbulenz, ein Beinahe-Zusammenstoß oder ein echter Unfall mit Verletzten. Diese Unterscheidung sagt mehr aus als die reisserische Überschrift.
- Bei Umstiegen genug Puffer einplanen: Ich kalkuliere bei Langstrecken mindestens 90 Minuten, besser 2 Stunden für Anschlüsse und Bodenprozesse ein.
- Beim Start und bei Turbulenzen angeschnallt bleiben: Das klingt banal, ist aber der einfachste Schutz gegen typische Verletzungen in der Kabine.
- Transfers zum Flughafen sauber organisieren: Ein verlässlicher Shuttle oder die Bahn reduziert Stress, wenn ein Flug verspätet startet oder umgeleitet wird.
- Nach Betriebsstörungen nicht nur auf die Airline schimpfen: Häufig geht es um Wetter, Flugsicherung oder Bodenverkehr, nicht um ein grundsätzliches Sicherheitsproblem der Gesellschaft.
- Bei wichtigen Reisen Belege sichern: Wer Flex-Tarif, Umbuchungsoptionen und Reiserücktrittsschutz versteht, verliert im Störfall weniger Zeit und Geld.
Gerade auf Routen mit Fernflügen ist diese praktische Sicht oft hilfreicher als jede emotional aufgeladene Nachricht. Sie macht den Unterschied zwischen Panik und sauberer Reisevorbereitung.
Warum die Schlagzeile lauter ist als die Bilanz
Mein nüchterner Schluss ist einfach: EVA Air hat eine sehr starke Sicherheitsbilanz, aber eben keine makellose Ereignisfreiheit. Genau das ist für eine große internationale Airline realistisch. Wer die wenigen relevanten Vorfälle kennt, sieht keine Absturzserie, sondern eine Gesellschaft, die einzelne ernste Situationen hatte und insgesamt solide aufgestellt ist.
Für mich ist das auch ein guter Maßstab für den Umgang mit Luftfahrtmeldungen allgemein. Nicht jede dramatische Formulierung beschreibt ein Katastrophenszenario, und nicht jede Störung ist ein Zeichen für ein strukturelles Problem. Wer Reiseentscheidungen klug treffen will, schaut auf den konkreten Vorfall, die Folgen und die Reaktion der Airline. Dann wird aus der Schlagzeile wieder ein belastbarer Befund.
Genau so lese ich auch EVA Air: nicht als Airline ohne Vorfälle, sondern als Beispiel dafür, dass eine gute Sicherheitskultur gerade daran erkennbar wird, wie sie mit Ausnahmen umgeht.